27. Horizontale Rund um Jena

Obwohl ich mir nach der erfolgreichen Teilnahme im letzten Jahr geschworen hatte, 2012 nicht wieder an den Start zu gehen, meldete ich mich am 01.03.2012 zur 27. Horizontale Rund um Jena an. Wieder 100 km wandern und sich dabei immer wieder die Frage stellen „Warum das Ganze?“.

Nun auch endlich die RoteFür die Frage nach dem Warum gibt es sicher mehrere Antworten. Am Ende war es aber auch die rote Nadel, welche man nach drei erfolgreichen Teilnahmen erhält, die mich antrieb. Jetzt hängt sie zusammen mit den anderen beiden im Arbeitszimmer und ich kann mich am Anblick erfreuen und an die drei vergangenen 100 km Wanderungen denken.

Zusammen mit Nagetier (Kersten) aus Mecklenburg Vorpommern fuhr ich am späten Freitagnachmittag zum USV Sportgelände. Wir holten unsere Startunterlagen und beobachteten wie immer die Meute. Pünktlich 18 Uhr machte ich mich alleine auf den Weg, da Kersten den Start so lange wie möglich herauszögerte. Er wollte die Strecke laufend absolvieren und mit der Startverschiebung die Grundlage dafür schaffen, dass er möglichst viele Verpflegungspunkte erst dann erreicht, wenn sie schon geöffnet haben. Schließlich ist die Horizontale eine Wanderung und so sind die Öffnungszeiten der Kontroll- und Verpflegungsstellen auch dementsprechend.

Da ich mich in diesem Jahr neben dem Lauf- und Radtraining nicht speziell auf die 100 km vorbereitet hatte, war mein einziges Ziel anzukommen. Ich setzte mich nicht unter Druck mit irgendwelchen Zeiten. Auch wollte ich mir an den Verpflegungspunkten mehr Ruhe gönnen und genießen. Aber das mit dem Genießen ist dann nach 60 km Wandern auch so eine Sache für sich ;-).

Wer genau hinsieht, kann viele kleine Wanderer erkennen und ich bin auch dabei.

Wer genau hinsieht, kann viele kleine Wanderer erkennen und ich bin auch dabei.

Obwohl ich keine besonderen Ambitionen hatte, startete ich im flotten Wanderschritt Richtung Zöllnitz (KM 22,6), um im dichten Verkehr auf den engen Wanderwegen keine unnötige Zeit zu verlieren. In Zöllnitz angekommen begrüßte mich Juliregen (Anne) und begleitete mich ein Stück auf dem Rad. Kersten sollte in der Zwischenzeit auch schon einige Kilometer hinter sich gebracht haben und nun bald auf mich auflaufen.

Ich kurz hinter Zöllnitz.

Ich kurz hinter Zöllnitz.

So langsam wurde es dunkel und ich schaltete meine Beleuchtung ein. Wie in den beiden Jahren zuvor schmückte ich meinen Rucksack mit einem roten Blicklicht. So war es für Kersten auch leichter mich aus der Ferne zu erkennen. Es vergingen die Kilometer und ich wanderte entlang der A4 Richtung Pösen. Immer wieder wurde ich von später gestarteten Läufern und schnellen Wanderern überholt. Doch Kersten war nicht dabei. „Was war los?“, fragte ich mich. Eigentlich hätte er schon längst bei mir sein müssen. Bei Kilometer 40 dann der Anruf und die schelchte Nachricht: Starke Schmerzen in Fuß und Hüfte machten ein Laufen für ihn unmöglich. Trotzdem war er willig ins Ziel zu kommen. Ab dem zweiten Verpflegungspunkt in Ammerbach (KM 46,2) wanderten wir dann gemeinsam weiter.

Nun folgte das für mich schwerste Stück. Es waren 23,8 km bis zum nächsten Verpflegungspunkt in Kunitz (KM 70). Es war dunkel und ich müde. Die Kilometer wurden immer länger, da an ein flottes Wandertempo nicht mehr zu denken war. Umso schöner war es, dass ich nicht alleine durch die Nacht tigern musste und es gegen vier Uhr dann auch ganz langsam wieder heller wurde.

Trotzdem erreichte meine Stimmung nun ihren Tiefpunkt. Ich war am Ende. Auf dem kurzen Stück durch Zwätzen bis nach Kunitz musste ich immer wieder kurze Pausen machen und mich hinhocken, um meine Beine zu lockern. Keine Ahnung, ob das physisch etwas bringt, aber mental war ich nach den Pausen einfach etwas erholt. Auch Kersten wurde langsamer und ich verlor trotz meiner Pausen nicht den Anschluss. In Kunitz dann endlich die begehrten Waffeln. Ein wirklich leckeres Frühstück wurde uns da geboten. Ich aß die Waffeln, etwas Obst und drei Toast mit reichlich Nussnougatcreme. Es war einfach lecker und eine Wohltat für Körper und Geist.

Frisch gestärkt machten wir uns nach ca. 15 min wieder auf den Weg. Rauf zum Hufeisen, runter nach Wogau, rauf zum Fuchsturm und weiter Richtung Steinkreuz, dem vierten und somit letzten Verpflegungspunkt an der Strecke (KM 84,9). Hört sich nicht viel an. Aber im Endeffekt waren das auch wieder knapp 14,9 km und 03:15 h. Auf dem Stück kamen uns dann auch die Wanderer der 35 km Tour (Start war 07:00 Uhr) entgegen. Sie sprachen uns Mut zu und zeigten teilweise auch etwas Mitleid.

Am Steinkreuz gab es wieder Toast und leckeren Tee. Leider war der Weg zwischen Buffet und der Sitzmöglichkeiten so weit, dass ich mich gegen eine zweite Portion entschied. Gut soweit war es auch nicht. Vielleicht zehn bis 15 Meter. Aber nach 85 km des Wanderns kommt es einem viel länger vor ;-). So pausierten wir relativ kurz und machten uns auf die finalen 14,9 Kilometer bis ins Ziel.

Es waren noch mindestens drei Stunden bis ich mir endlich die Wanderschuhe ausziehen konnte. Das wurde dann aber auch Zeit. Seit ungefähr der Hälfte der Strecke drückte der Schaft am rechten Bein so dermaßen, dass es sich, um es gelinde auszudrücken, unangenehm anfühlte.

Das Ziel in Sichtweite. Trotzdem waren es noch mehr als 10 km.

Das Ziel in Sichtweite. Trotzdem waren es noch mehr als 10 km.

Eine Beschilderung zeigte an, dass es noch acht Kilometer bis zum Fürstenbrunnen und somit zum nächsten Zwischenziel war. Acht Kilometer? Ernsthaft? Also noch fast zwei Stunden? Ich geh am Stock. Echt? Puhhh. Kersten meinte dann aber, dass es keine acht mehr wären und so war der Schock schnell überwunden. Unglücklicherweise waren es dann doch acht ;-). Acht Kilometer die verdammt lang werden sollten. Das Schlimmste an dem Stück zum Fürstenbrunnen ist, dass man das Ziel bereits sehen kann und sich dann wieder davon entfernt. Egal, es half nichts, es musste weiter gehen. Immer wieder legte ich Pausen ein, weil ich Kerstens Wandertempo als nicht angenehm empfand. Zwei Kilometer vor dem Fürstenbrunnen musste dann auch Kersten eine kurze Pause einlegen und ich wanderte erst mal alleine weiter, mit dem Ziel am Fürstenbrunnen auf ihn zu warten.

ENDLICH. Wenige Meter vor dem Ziel.

ENDLICH. Wenige Meter vor dem Ziel.

Die letzten viereinhalb Kilometer absolvierten wir dann aber wieder zusammen. Ich kontaktierte Anne, die ihre Zeit liebevoll opferte, um uns im Zielbereich abzulichten und die Urkunden und die Tassen zu holen. Herzlichsten Dank dafür.

Nach 18:39:12 h hatte die Qual dann ein Ende und ich glücklich im Ziel. Leider muss ich an dieser Stelle auch Kritik üben. Da wandert man 100 km Rund um Jena und der Zielbereich ist als solcher nicht zu erkennen. Mir war auf den ersten Blick nicht klar, wo ich meine Chipkarte abpiepen konnte. Ich denke aber, dass sich das Laufservice-Team, welches an anderen Stellen wirklich wieder einen hervorragenden Job abgeliefert hat, für die nächsten Jahre eine Lösung einfallen lässt.

Zusammenfassend war es wieder eine wirklich gelungene Veranstaltung. Großes Lob an alle Helfer und Organisatoren. Es ist einfach ein Traum wie herzlich man auch zu unmenschlichen Nachtzeiten an den Verpflegungspunkten versorgt wird. Vielen Dank.

Vielen Dank auch an meine Eltern und Corinna. Es hat wirklich für viel Abwechslung gesorgt mit euch zu telefonieren und auch wenn ich immer wieder sagte, dass dies meine letzten 100 km sein würden, schließe ich es nun nicht mehr aus, auch im nächsten Jahr am Start zu stehen. Denn so schlimm wars doch gar nicht ;-).

Wie Kersten das ganze erlebt hat, könnt ihr hier nachlesen.

Zusammenfassung:

Zeit: 18:39:12 min

(Ergebnisse)

Strecke bei GPSis.de

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4. Pfingstrennen Bärwalder See

Am Pfingstsonntag startete ich beim 4. Pfingstrennen Bärwalder See in Boxberg (Oberlausitz) auf der 10 km Runde. Es war schnell, warm und ziemlich anstrengend. Am Ende wurde ich mit einer neuen Jahresbestleistung und dem 2. Platz in der Altersklasse M 20-29 belohnt.

Lange wurde nach einem passenden Frühjahrsabschluss gesucht. Fündig wurde ich beim 4. Pfingstrennen Bärwalder See. Eine wirklich schöne Veranstaltung, welche neben dem 10 km Lauf unter anderem auch einen Halbmarathon im Programm hatte.

Wie im letzten Artikel angekündigt, hielt ich eine deutliche Steigerung zum Heineparklauf für möglich. Da das Training und vor allem die Tempoeinheiten und Intervalle in den letzten Trainingswochen gut verliefen, hoffte ich insgeheim auf einen Schnitt von 03:45 min/km und somit auf eine neue PB auf der 10 km Distanz.

Die Anreise erfolgte ausnahmsweise aus Dresden und so war am Rennmorgen ein langes Schlafen (06:15 Uhr) möglich. Gefrühstückt wurde im Mondpalast, was sich trotz der späten Einnahme von 08:00 Uhr als relativ verträglich erwies. Der Startschuss sollte 10:20 Uhr erfolgen. Das Nagetier wollte seinem Körper beim Halbmarathon, welcher bereits 10 Uhr starten sollte, ein wenig Tempo gönnen und so waren wir pünktlich kurz nach 9 Uhr am Bärwalder See und konnten unsere Startunterlagen in Empfang nehmen.

Da bis zu meiner Erwärmung noch ein wenig Zeit war, verschaffte ich mir einen Überblick über den Lauf. Bei der Strecke handelte es sich um einen Rundkurs, welcher überwiegend asphaltiert war und wenig Schatten bereit hielt. Beim Höhenprofil waren auch keine Berge zu erkennen und so brannte sich immer mehr eine Zielzeit von 37:30 min in meinen Kopf.

Kurz nach dem Start war das Feld noch eng beisammen

Kurz nach dem Start war das Feld noch eng beisammen

Mit etwas Verzögerung erfolgte der Startschuss um 10:25 Uhr. Ich lief, wie auch schon beim Kyffhäuser Berglauf, mit zwei Uhren (Polar und Garmin), um mein Tempo besser kontrollieren zu können. Am Anfang musste ich mich immer wieder bremsen, da die Masse wie üblich viel zu schnell startete. Trotzdem konnte ich die Spitze des Feldes lange sehen. Nach der wilden Startphase sammelte ich immer wieder Läufer ein, welche ihr Tempo drosseln mussten. Am dritten Kilometer befand ich mich auf dem zwölftem Gesamtplatz und mein Tempo war mit 03:41 min/km immer noch im Soll. Lediglich mein Puls war bereits hier jenseits von Gut und Böse. Da ich mich aber gut fühlte, überholte ich weiter und versuchte konstant mein Tempo zu laufen. Den fünften Kilometer passierte ich laut Garmin bei 18:23 min. Nun waren die Überholmanöver abgeschlossen und ich heftete mich an einen Läufer, welcher exakt mein Tempo lief. Langsam machte mir der hohe Puls und die Wärme zu schaffen und ich hatte Probleme das Tempo zu halten. Trotzdem waren die Kilometer sieben und acht mit 03:46 min und 03:50 min noch immer sehr zügig und jedes weitere Piepen des Garmin FR 305 bestätigte mir, dass ich zwar ein wenig an Tempo einbüßen musste, aber dennoch alles in Richtung neue PB zeigte. Ich war hoch motiviert, aber mein Puls bereits bei 98 %. In der Zwischenzeit musste ich auch meinen Vordermann wechseln, da er das Tempo beim Überholen eines anderen verschärfte.

Auf den letzten Metern versuchte ich das Tempo hoch zu halten - Es blieb beim Versuch

Auf den letzten Metern versuchte ich das Tempo hoch zu halten. – Es blieb beim Versuch.

Als ich bei Kilometerschild neun die Lap-Taste meiner Polar betätigte wurde mir eine Zeit von 04:13 min angezeigt. „Was? Das kann nicht sein!“, dachte ich und kontrollierte die Garmin. Hier war alles im Lot und ich weiter unter 03:45 min/km (im Schnitt). In der Ferne konnte ich das Ziel sehen und versuchte auf dem letzten Kilometer noch einmal das Tempo zu verschärfen oder wenigstens zu halten. Trotz aller Bemühungen musste ich abreißen lassen. Ich gab alles und merkte, wie meine Bewegungen unrund wurden. Meine Beine waren plötzlich schwer wie Blei und ich kam nicht wirklich vorwärts. Stark fokussiert eierte ich dem Ziel entgegen.

Nach offiziellen 38:06 min durchlief ich den Zielbogen und landete direkt in den Armen der Organisatoren. Ich war geschafft und nicht wirklich in der Lage, mich auf den Beinen zu halten. Es ging einfach nicht und so entschied ich mich für die Horizontale.

Ein ganz origineller Pokal

2. Platz der Akl

Es war unglaublich. Ich wollte immer wieder aufstehen, merkte dann aber, dass es wohl doch besser wäre sich noch ein wenig auszuruhen. Zur Siegerehrung war ich dann aber dank der hervorragenden Betreuung von Juliregen und der Rennschnecke wieder einigermaßen auf den Beinen und konnte den besonderen Pokal für den 2. Platz in meiner Altersklasse persönlich entgegen nehmen. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle.

Siegerehrung der Altersklasse M 20-29

Siegerehrung der Altersklasse M 20-29

Zusammenfassend war es ein wunderschöner Lauf. Einziger Kritikpunkt ist die nicht exakt vermessene Strecke. Es ist einfach schade, wenn man im Ziel feststellen muss, dass es circa 100 Meter mehr waren, die gelaufen werden mussten. Trotzdem bin ich mit meiner Leistung mehr als zufrieden. Es hat zwar nicht ganz für eine offizielle PB gereicht. Aber es wäre ja auch langweilig, wenn ich bereits jetzt mein Saisonziel erfüllt. hätte ;-).

Geschwindigkeiten in min/km

Geschwindigkeiten in min/km (gemessen mit Garmin FR 305)

Nun heißt es zu regenerieren, um es dann am Freitag auf der 100 km Wanderung Rund um Jena etwas langsamer angehen zu lassen.

Zusammenfassung:

Zeit: 38:06 min

Gesamtplatz: 5. von 99

AK-Platz: 2. von 14

(Ergebnisse)

Strecke bei GPSis.de

Pfingsten wird gelaufen

Vier Wochen ist mein letzter Wettkampf schon wieder her. Die Zeit verging schnell und beim Blick auf den Kalender fiel mir auf, dass die Horizontale Rund um Jena bald ansteht. Die Anmeldung erfolgte schon am 01.03.2012 und irgendwie schaffte ich es das Ganze zu verdrängen. Es ist ja nur eine Wanderung ;-). Mit 100 km aber trotzdem kein leichtes Unterfangen. Egal. Verdrängung heißt das Zauberwort. Am Besten geht das natürlich, mit neuen Zielen. Es musste ein Wettkampf her. Möglichst am Wochenende vor der Horizontale. Ich durchstöberte das Internet nach diversen Veranstaltungen. Trotzdem der ein oder andere Lauf am Pfingstwochenende angeboten wird, erwies sich die Suche als knifflig. Nach langem hin und her viel die Entscheidung auf das 4. Pfingstrennen um den Bärwalder See.  Bereits 2010 war ich vor Ort. Damals aber nur als Bodencrew und Chauffeur.

Ich werde über die 10 km an den Start gehen und wenn ich mir die letzten Trainingswochen so ansehe, sollte doch eine deutliche Steigerung zum Heineparklauf (38:24 min) drin sein. Nach dem Lauf bleiben mir dann ja immer noch vier volle Tage, um mich zumindest mental auf meine 3. Horizontale vorzubereiten. Ich bin gespannt :-).

Mein kleiner Jahresrückblick 2011

Eigentlich wollte ich es nicht, aber ich denke gerade für die Zukunft ist es nicht schlecht, sich noch einmal Gedanken zum Geschehenden zu machen. Zumal es sich das Jahr 2011 verdient hat, zusammengefasst und niedergeschrieben zu werden ;-).

Es begann läuferisch recht ruhig. Nachdem ich die letzten drei Jahre immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte und nie so richtig Fuß fassen konnte, fing ich ganz langsam wieder an. Ohne nennenswerte Probleme lief ich auch meinen ersten Wettkampf in Himmelpforten über 5 km in entspannten 24:27 min.

Unter Statistik 2011 kann man sehr schön sehen, dass ich neben den Laufeinheiten sehr viel Zeit auf der Rolle (im Winter) und auf dem Rennrad (im Sommer) verbracht habe. So war ich fit, konnte es bei den Wettkämpfen aber nicht wirklich zeigen. Mein Körper, aber vor allem meine Beine sollten sich langsam an die noch kommenden Geschwindigkeiten gewöhnen. Gerade richtig kam dann der Jenaer Duathlon, bei dem ich zumindest auf dem Rad alles geben konnte.

Im Laufe der Zeit steigerte ich weiter meine Laufumfänge und -geschwindigkeiten. Schlussendlich kam ich immer näher an die Geschwindigkeit von Juliregen heran. Beim OEM in Dresden liefen wir dann (nicht geplant) zum ersten Mal (in 2011) gemeinsam über die Ziellinie. Dann kam das erste Highlight für 2011: Die Horizontale Rund um Jena. Ich nahm sie zum zweiten Mal in Angriff. Anders als im letzten Jahr allerdings nicht im Dreiergespann. So wanderte ich die 100 km zu gefühlten 99 % ganz alleine. Nach 16:43:35 h kam ich sichtlich mitgenommen und den Tränen nahe ins Ziel. Ich war mehr als erledigt und hatte anders als im Jahr davor auch noch nach Tagen starke Schmerzen beim Treppenabsteigen. Im Ziel und auch Wochen später stand eigentlich fest, dass ich mir das nicht ein drittes Mal antue. Aber irgendwann ist die Verlockung der roten Nadel dann doch größer geworden ;-).

Im Juli stand dann der erste ernste Wettkampf auf dem Programm. Ich lief die zweite Etappe der SaaleHorizontale Staffel. Mit 360 positiven HM war diese anspruchsvoll, aber auch genau das richtige für mich. Mit einer ordentlichen Zeit konnte ich einige Plätze gut machen und unser Team „Frischluftfanatiker“ ein kleines Stück nach vorne bringen.

So langsam kam ich auch im Training an meine Grenzen. Soll heißen, dass ich meinem Körper endlich das Tempo zumuten konnte, welches ich auch im Stande war zu laufen. So trainierte ich fleißig weiter. Nebenbei schwamm ich auch einmal die Woche im Becken. Triathlontraining soll ja gut sein. Im August finishte ich dann meinen ersten kleinen Triathlon. Die Schwimmleistung war zwar nicht die Beste, aber dennoch konnte ich auch dort mit dem Erreichten zufrieden sein.

Das Highlight für mich fand dann am 02.09.2011 statt. Beim Sommernachtslauf über 10 km in Jena gab ich alles und war endlich wieder Sub40. Auch hier war ich im Ziel mehr als fertig und dennoch überglücklich. Am gleichen Tag schloss ich eigentlich schon mit der Saison 2011 ab. Ich habe mehr erreicht als in den letzten drei Jahren zusammen. Trotzdem gab es weitere Highlights. Ich unterstützte Juliregen beim Projekt Sub45. So kam es auch, dass wir zusammen in Freiburg bei der Rieselfeldmeile am Start standen, um ihre alte Bestzeit zu pulverisieren.

Der große offizielle Saisonabschluss war dann wieder einmal in Dresden. Hier wollte Juliregen ihr Projekt beenden. Auch hier lief ich im Windschatten, um im Notfall Hilfestellung zu geben. Mit einer offiziellen 44:47 min erreichten wir das Ziel und der Saisonabschluss war geglückt.

Wenige Wochen später meldete sich bei mir die Wade. Schmerzen, die sich nicht richtig definieren ließen, machten sich breit. Diagnose: Überlastung (da machen es sich einige Ärzte aber auch immer leicht). Er verschrieb Ultraschall. Trotzdem es besser wurde, war ich noch nicht beschwerdefrei. Mit sinkenden Laufumfängen, sank auch die Motivation. Ich konnte mich kaum noch überwinden auf die Rolle zu steigen, um wenigstens ein bisschen was zu machen. So kam dann Weihnachten und das Jahr 2011 ist Geschichte.

Zusammenfassend blicke ich auf ein doch erfolgreiches Jahr zurück, in dem ich viel gelernt habe. Deswegen freue ich mich mit neuer Motivation auf die Saison 2012. Ich hoffe, die Wade spielt mit und ich kann endlich neue Bestzeiten aufstellen. In diesem Sinne wünsche ich all meinen Lesern ein frohes und vor allem gesundes Jahr 2012.

Jena Horizontale 2011 – Eine einzige Qual

Bärti war auch wieder mit dabei.

Bärti war auch wieder mit dabei.

Trotz dem ich mir im letzten Jahr bei der Jubiläumshorizontale mehr oder weniger starke Blessuren zuzog und während der Wanderung eigentlich auch feststand, dass ich mir diese Strapazen nicht ein zweites Mal antun werden, entschied ich mich zusammen mit Anne und Kersten auch in diesem Jahr für die Horizontale. Pünktlich am 01.03.2011 meldete ich mich für den totalen Wahnsinn Teil 2 an ;). Es dauerte nur wenige Tage bis alle 850 Startplätze vergeben waren. Da ist es doch sinnvoll, sich im Vorfeld Gedanken über die Teilnahme zu machen.

Der Vorteil bei der zweiten Teilnahme ist, dass man zumindest weiß worauf man sich einlässt.  So wusste ich, dass es für mich nicht alleine ums ankommen geht. Diese Aufgabe habe ich ja bereits im letzten Jahr erfolgreich gemeistert. Da ich 2009 und 2010 immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte, wanderte ich die letzten 100 km ohne groß trainiert zu haben. Ab Oktober 2010 trainiere ich nun wieder regelmäßig und so stand in diesem Jahr die Frage, welches Ziel verfolge ich mit meiner diesjährigen Teilnahme?

Kurz vorm Start.

Kurz vorm Start.

Absolvierten wir die 100 km im letzten Jahr noch zu dritt, entschieden wir uns dieses Mal dafür, dass jeder für sich wandert und wir dann sehen was passiert. Mein Ziel war nicht sehr groß gesteckt. Ich machte mir lediglich Gedanken darüber, wie schnell ich wohl wandern kann. Eine Zeit unter der vom letzten Jahr wäre wohl das Mindeste. Also Zeit unter 19:55:05 h und dann gucken was geht und ob überhaupt noch was geht ;). Klar war nur: Je schneller ich gehe, desto schneller ist die Quälerei vorbei ;).

Da ich mir für den Freitag frei nahm, blieb genügend Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, was ich auf der Strecke benötigen könnte und was ich davon auch wirklich mitnehmen will. Schließlich müssen diese Sachen die ganze Zeit transportiert werden. Trotz dem der Wetterbericht schon seit Tagen von leichten Regenschauern sprach, entschied ich mich gegen die schwere Regenjacke und nahm dafür lieber ein trockenes Ersatzshirt mit. Ansonsten war mein Rucksack mit fast den gleichen Sachen gefüllt wie im letzten Jahr: Langarmshirt, Fleecejacke und Stirnlampe für die Nacht; GPS-Gerät damit ich nicht vom rechten Weg abkomme; Energieriegel, Fruchtschnitten und drei Liter Trinkblase gefüllt mit Wasser für den kleinen Hunger zwischendurch; MP3-Player und Kopfhörer für ein eventuelles Stimmungstief; KK-Karte, EC-Karte und Bargeld für den Notfall. Zur Belustigung anderer Wanderer nahm ich wieder mein rotes Blinklicht und zusätzlich ein paar Knicklichter, welche ich mir in die Netztasche an der rechten Seite meines Rucksacks steckte, mit. Ansonsten machte ich mir keine großen Gedanken darüber, was ich wohl anziehe. Mein Wanderkleiderschrank bietet noch nicht so viel Auswahl. So ging ich unverändert zum letzten Jahr mit einer langen Wanderhose, Funktionsshirt, Wandersocken und hohen festen Wanderschuhen an den Start.

Der Rucksack war gepackt und alle weiteren Vorbereitungen abgeschlossen. Nun erfolgte der obligatorische Versuch ein Schläfchen zu machen. Zwei Stunden plante ich dafür ein. Nach einer Stunde brach ich diesen Versuch aber ab. Ich war mehr als ausgeruht und wollte einfach nur noch auf die Strecke. Völlig unerwartet traf dann auch noch die kleine Bodencrew (bestehend aus einer Person) bei uns ein. Vielen Dank an dieser Stelle für die Fotos J.

Pünktlich 17 Uhr fuhren wir zum USV-Sportgelände, um unsere pCards registrieren zu lassen. Wie gesagt, versprach der Wetterbericht  nichts Gutes, aber es sollte dann doch anders kommen. Bei  zwar bewölktem, aber dennoch trockenem Himmel ließen wir uns auf dem Rasen nieder und beobachteten andere Teilnehmer und dessen Ausrüstungen. Wieder wurden Spekulationen darüber geäußert, wer es wohl schafft und wer nicht. Irgendwie muss man sich die Zeit bis zum Start ja vertreiben ;).

Gleich werden die Massen auf die Strecke gelassen.

Gleich werden die Massen auf die Strecke gelassen.

Die Zeit verging wie im Flug und ich wurde -warum auch immer- sichtlich nervös. Ich weiß nicht recht warum, aber wahrscheinlich lag es daran, dass die 100 km trotz aller Vorbereitung erst einmal gewandert werden müssen und auf der Strecke auch unvorhergesehene Dinge passieren können. Kurz vor 18:00 Uhr sprach der Oberbürgermeister noch die üblichen Worte und gab den Start schließlich frei. Spätestens ab diesem Moment waren alle noch so kleinen Ängste des Scheiterns verdrängt und ich freute mich auf die Wanderung. Ein letztes „Viel Erfolg“ an Anne und Kersten und ab ging die Post.

Wie wir es geplant hatten war Kersten nach einigen 100 Metern nicht mehr gesehen. Sein Ziel war eine Zeit zwischen 13 und 15 Stunden und somit viel zu schnell für Anne und mich. Ob er dieses Vorhaben in die Tat umsetzen konnte, könnt ihr hier im Detail nachlesen. Da ich ebenfalls von Anfang an ein recht ordentliches Wandertempo vorlag, welches Anne nicht gehen konnte, waren wir also von Beginn an auf uns alleine gestellt. Nach ca. zwei Kilometern fragte mich ein Weggefährte, ob es sich bei der von ihm gezeigten Markierung um die richtige handelt? Ich konnte bejahen und so kamen wir ins Gespräch. Ich erfuhr, dass es sich um den Ultra-Läufer Jörg Koenig handelt, welcher unter anderem mehr als 340 Marathons finishte, zweimal erfolgreich beim Deutschlandlauf teilnahm und beim 6-Tage-Lauf in Erkrath 2007 mit 676,590 km einen neuen deutschen Rekord in der M55 aufstellte. Kurze Zeit später musste ich ihn ziehen lassen. Es sollte aber nicht unser letztes Aufeinandertreffen gewesen sein.

Weiter ging es im zügigen Schritt bis zur ersten Verpflegungsstelle in Wogau. Hier versuchte ich dann auch das erste Mal telefonisch mit Anne in Kontakt zu treten, was mir allerdings nicht gelang, da, wie sich später herausstellte, ihr Mobilfunkgerät zu Hause warm und trocken auf dem Wohnzimmertisch verweilte –shit happens. So konnte ich nur hoffen, dass es ihr gut geht.

Insgesamt hielt ich mich in Wogau nicht allzu lange auf. Ich trank ein wenig Cola und Wasser und verschwand nach kurzer Zeit mit meinem Verpflegungsbeutel in Richtung Kunitzburg. Im letzten Jahr verpasste ich es im Vorfeld noch eine Kleinigkeit zu essen und bekam demzufolge schon früh Hunger. Aus diesem Fehler hatte ich gelernt, und so konnte ich Apfel, Wurst, Brötchen, Riegel und Schokolade erst einmal im Rucksack verstauen. Die Bretzel aß ich noch vor dem Anstieg zum Hufeisen. Oben angekommen verspürte ich dann doch den Drang nach  etwas Essbarem und so kramte ich die verstauten Lebensmittel wieder hervor. Noch bevor es hinunter nach Kunitz ging, musste ich meine Nachtausrüstung (Stirnlampe, Fleecejacke und Blinklicht) anlegen. Beim Abstieg lief ich auf zwei Männer auf, bei denen einer der beschriebene Ultraläufer vom Anfang war. In Kunitz angekommen führten wir unser Gespräch vom Anfang fort. Nach Zwätzen überkam mich ein wenig die Müdigkeit, aber Jörg konnte mich mit seinen interessanten Geschichten bei Laune halten. Und so kam es, dass wir bis zum zweiten Verpflegungspunkt an der Papiermühle zusammen blieben.

Zu meiner Überraschung gab es schon hier Kaffee, welchen ich dankend annahm. Anschließend trank ich noch eins, zwei Becher Cola und Wasser und dann zog ich auch schon weiter. Da es meinen Beinen noch ganz gut ging, wollte ich nicht so viel Zeit verlieren. Ich wusste, dass die Strecke in den nächsten Kilometern bergauf führt, deshalb verstaute ich meinen Verpflegungsbeutel wieder im Rucksack. Nach der Papiermühle war ich die meiste Zeit auf mich alleine gestellt. Ab und zu traf ich auf andere Teilnehmer, welche aber entweder zu schnell oder zu langsam waren. So wanderte ich vor mich hin und ich fing das erst Mal an zu rechnen. Nach kurzem hin und her würde ich wohl bei ca. 15 Stunden landen, wenn ich so weiter laufe. Diese Nachricht baute mich auf und so konnte ich mich trotz Einsamkeit und Dunkelheit einigermaßen motivieren.

Diese Euphorie war aber leider nicht von Dauer. Plötzlich befand ich mich abseits des Weges. Zumindest war mein GPS-Gerät (Garmin) der Meinung. Hm… also suchte ich nach Markierungen und fand diese auch. Also doch auf dem richtigen Weg? Ich fing an zu zweifeln. Ich erblickte immer mehr Weiß-Rot-Weiß-Markierungen, welche dafür sprachen, dass ich mich eindeutig auf dem richtigen Weg befinden muss. Also ging ich weiter. Schlecht an der ganzen Sache war nur, dass der von mir eingeschlagene Weg deutlich länger war als der, der auf meinem Garmin angezeigt wurde. Es vergingen gefühlte zwei Stunden bis ich mich wieder „auf Kurs“ befand. Erneut fing ich an zu rechnen und stellte fest, dass ich mich nun erheblich von der 15 Stunden Marke entfernt habe. Nun musste schnell neue Motivation her. Mir fiel nichts ein und so versuchte ich mich mit dem Verspeisen des Verpflegungsbeutels von der Papiermühle abzulenken und daraus Kraft zu schöpfen.

Das Stück nach Pösen war sehr eintönig. Ich befand mich in einem kleinen nächtlichen Tief. Mein nächstes Ziel war der Verpflegungspunkt kurz nach Pösen. Hier wollte ich wieder Kraft tanken und frisch gestärkt weiter wandern. Immer wieder schaute ich auf mein Garmin wie weit es denn noch ist. Die Kilometer kamen mir endlos vor. Umso mehr freute ich mich als ich die Landstraße nach Pösen erreichte und ich die Asphaltstraße im leichten Laufschritt hinunter socken konnte. Jetzt nur noch eineinhalb Kilometer. Da es stetig bergab ging, joggte ich immer wieder ein kleines Stückchen, sodass die Zeit etwas schneller vorüber ging.

Endlich sah ich die Unterführung der Autobahn, wo sich der dritte von vier Verpflegungsstellen befand. Es war dunkel und die Helferinnen und Helfer bereiteten sich noch auf den ganz großen Ansturm vor. Ich nahm wieder genügend Flüssigkeit zu mir und setzte mich das erste Mal auf eine Bank. Leider waren die Marmeladen- und Nutellatoaste noch nicht fertig geschmiert und so musste ich eine Scheibe Brot mit Wurst essen. Ich war einfach zu schnell. Wie sich später herausstellte, war ich nicht nur für die Marmeladen- und Nutellatoaste zu schnell sondern auch für die leckeren Waffeln, welche vom Facharztzentrum spendiert wurden. Ich nahm mir noch ein Getränk für den Weg mit und verabschiedete mich von den kurz nach mir eingetroffenen Gleichgesinnten mit einem freundlichen „bis später“.

War es in Pösen und Leutra an der Verpflegungsstelle noch Rabennacht, ging nun so langsam die Sonne auf. Endlich war die Nacht überstanden. Bis nach Maua war ich zwar immer noch alleine unterwegs, trotzdem verging die Zeit wie im Flug, da ich, wie im letzten Jahr, ein wenig mit meiner Mutter telefonieren konnte. Sie hatte erneut Frühschicht und so verabredeten wir uns schon im Vorfeld der Horizontale zu einen gemeinsamen Frühstück. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle.

In Maua angekommen war es bereits taghell und so hatte ich kein Problem beim Finden des Einstiegs zur Rabenschüssel. Kersten erging es da schon mehr anders, wie er uns später berichtete.

Das Teilstück zwischen Maua und der Lobdeburg bauten wir nicht in unsere Testwanderungen mit ein und so hatte ich nur schwache Erinnerungen darüber, wie der kommende Streckenverlauf war. Und er war nicht leicht. Die Rabenschüssel zog sich ordentlich in die Länge und auch das lange Stück bis zum letzten Verpflegungsstand in Sommerlinde war mehr eine riesen Qual als eine fröhliche Wanderung. Bergab versuchte ich immer wieder ein wenig zu joggen, um meine Kilometerzeiten wenigstens ein wenig im grünen Bereich zu behalten. Trotzdem schien es nur wenig zu helfen. Ich war am Ende und hatte einfach keine Lust mehr. Immer wieder wurde ich von schnelleren Wanderern überholt. Ich versuchte ihr Tempo mitzugehen. Doch es half alles nichts. Ich wurde sichtlich langsamer. Wieder fing ich an zu rechnen und mir wurde klar, dass auch eine Zeit unter 16 Stunden nicht mehr machbar war. Also musste ein neues Ziel her. Ein Ziel an dem ich mich festklammern und Kraft schöpfen konnte. Schnell dachte ich an 16:30 Stunden. Nach kurzer Überlegung hielt ich es aber für zu anstrengend. Mein neues Ziel war eine Zeit unter 17 Stunden.

Durch diese Rechnerei verging die Zeit etwas schneller. Trotzdem sehnte ich mich nach dem letzten Verpflegungspunkt. Ich hoffte auf leckeren Toast mit Marmelade und Nutella. Und den gab es dann auch. Nach dem ich meine pCard auf den Zauberkasten hielt, war ich dann aber doch zu schwach, um mir ordentlich den Bauch vollzuschlagen. Ich aß nur zwei Scheiben Toast und ruhte mich stattdessen ein wenig auf der Bank aus. Ich war einfach zu schwach, für den Weg zwischen Bank und Buffet. Nach etwa zehn Minuten der Ruhe stiefelte ich wieder los. Jetzt waren es nur noch 13 km bis ins Ziel. Endlich dachte ich und so versuchte ich aus jedem weiteren Schritt Kraft zu schöpfen. Nach dem letzten knackigen Anstieg kurz hinter der Lobdeburg ging es zum Glück mehr bergab und ich konnte wieder ein wenig joggen. Obwohl ich nicht weiß, ob eine Geschwindigkeit von neun Minuten pro Kilometer schon als joggen bezeichnet werden kann. Ich versuchte alle Schmerzen, die ich hatte auszublenden und die letzten Kilometer so schnell wie nur möglich zu absolvieren, um der Qual ein Ende zu setzen. Einen Kilometer vorm Ziel informierte ich Kersten und die kleine Bodencrew. Ich war mehr als erledigt und den Tränen nahe, als ich die letzten Meter absolvierte.

Nur noch ein kleines Stück bis zum Ziel.

Nur noch ein kleines Stück bis zum Ziel.

Trotzdem ich die meiste Zeit der Strecke auf mich alleine gestellt war, habe ich es wieder geschafft, diese 100 Kilometer zu meistern. Die Freude im Ziel war zwar groß, doch konnte ich sie so kurz nach der Ankunft nicht zeigen. Ich war einfach zu geschafft. Mit einer Zeit von 16:43:35 h blieb deutlich unter den 17 Stunden und war mehr als glücklich.

Nach einer kleinen Stärkung und frischer Dusche ging es zumindest meiner Psyche wieder den Umständen entsprechend gut. Die Physis brauchte hingegen mehrere Tage, um sich von dieser Belastung zu erholen. Am Morgen danach konnte ich mich kaum bewegen, aber im Endeffekt war es das doch wert ;).

Kurze Zeit später begrüßten wir auch Anne im Ziel. Ihren ausführlichen Bericht könnt ihr hier nachlesen.

Nun bleibt natürlich noch die Frage: Nächstes Jahr aufs Neue? Lange war ich mir unschlüssig, ob ich meinen Körper wieder so eine Belastung aussetze, doch im Endeffekt sind alle guten Dinge drei.

Vorbereitung für die 100 km Rund um Jena

Der Countdown läuft und die Vorbereitungen sind so gut es geht abgeschlossen. Im Vergleich zum letzten Jahr steigerten wir uns sogar um 100 %. Soll heißen, dass wir zwei statt einer Vorbereitungswanderung mit einer Gesamtlänge von 72,5 Kilometern absolvierten. Dafür musste ich zwar meine Laufumfänge etwas reduzieren, aber ich denke es hat sich gelohnt.

Zwei Testwanderungen sind nun auch nicht die Masse, aber immer noch besser als eine oder gar keine ;). So findet ein kleiner Materialcheck statt und die Strecke wird noch einmal verinnerlicht. Zum Thema Materialcheck gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Meine Wanderschuhe in Kombination mit den Wandersocken sorgten für blasenfreie Füße und das „Navi“ dafür, dass wir immer auf dem rechten Weg unterwegs waren.

Auf die leichte Schulter darf man die 100 km trotz Vorbereitung aber dennoch nicht nehmen. Der angekündigte Regen zum Freitagabend hin könnte für zusätzliche Spannung am Start und auf der Strecke sorgen. Dauerregen wäre nun wirklich das Schlimmste was ich mir vorstellen kann.

Bei solchen Prognosen stellt sich natürlich die Frage nach der richtigen Ausrüstung. Also was ziehe ich an und was nehme ich mit. Natürlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Diese muss dann unter Umständen aber auch mitgeschleppt werden. Über die genaue Zusammenstellung meines Gepäcks bin ich mir noch nicht hundertprozentig sicher. Folgende Bestandteile sollten dennoch auf solcher (Nacht) Wanderung nicht fehlen: festes Schuhwerk, lange Hose, Funktionsshirt, Jacke (Fleece), Handschuhe (nachts kann es verdammt kalt werden), Stirnlampe und ausreichend zu trinken.

Eine Regenjacke könnte bei Dauerregen dann eventuell auch noch sehr hilfreich sein ;). Für Verpflegung ist auf der Strecke an den verschiedenen Punkten zwar gesorgt, dennoch werde ich versuchen vor dem Start (18:00 Uhr) noch ein Happen zu essen. Im letzten Jahr verpasste ich den Zeitpunkt des Abendbrotes und so hing mir mein Magen schon nach den ersten 20 Kilometern sonste wo.

Schon im letzten Jahr stattete ich meinen Rucksack mit einer kleinen roten Blinkleuchte aus und auch in diesem Jahr werden Anne (Juliregen), Kersten (Nagetier) und ich an einem roten Blinkelicht zu erkennen sein. Anders als im Vorjahr haben wir uns vorgenommen die Strecke nicht gemeinsam zu absolvieren. Je nach dem wie es läuft (oder auch nicht) werden wir uns trennen und uns alleine durch die Nacht und den kommenden Tag schlagen. Ich denke, dass sollte die Schwierigkeit noch einmal etwas erhöhen, weil man doch eine ganze Weile nur mit sich beschäftigt ist und man sich ständig fragen wird: ‚Was mache ich hier nur?‘

Eine Zielzeit habe ich mir noch nicht in den Kopf gesetzt. Nur eins ist klar: wer schneller rennt ist früher da. In diesem Sinne wünsche ich allen Teilnehmern eine hoffentlich erfolgreiche Teilnahme bei der 26. „Horizontale – Rund um Jena“.

Massenansturm auf die 100 km

Wie bereits erwähnt, fieberte ich der Anmeldung zur diesjährigen Horizontale – Rund um Jena schon seit Wochen entgegen. So wird es für meine Leser nicht verwunderlich sein, dass mein Name bereits in der Meldeliste zu finden ist. Verwunderlich hingegen ist allerdings die Tatsache, dass nach Angaben von der offiziellen Homepage alleine in den ersten 22 Stunden 340 Anmeldungen für die 100 km bei SPORTident eingingen. Ein neuer Rekord.

Diese Sportveranstaltung scheint immer beliebter zu werden. Was aber alles andere als verwunderlich ist. Perfekte Organisation, freundliche Helfer an der Strecke und eine fast perfekte Streckenmarkierung sind mit Sicherheit einige der Gründe warum man schon fast mit solchem Ansturm rechnen musste. Außerdem denke ich, dass sich unter diesen 340 Anmeldungen viele „Wiederholungstäter“ befinden. Denn wer es einmal geschafft hat und nach einer durchwanderten Nacht am nächsten Tag das Gelände der USV-3-Felderhalle erreicht hat, wird mit so vielen Glücksgefühlen überschüttet, dass es einem Rausch gleicht und eine fast schon automatische Anmeldung im nächsten Jahr die Folge ist.

Für Unentschlossene gilt es sich nun relativ schnell zu entscheiden. Für gewöhnlich dauert es zwar immer etwas bis alle 850 Startplätze vergeben sind, aber es wäre doch schade, wenn es die Unentschlossenheit ist die euch vom Start abhält.