27. Horizontale Rund um Jena

Obwohl ich mir nach der erfolgreichen Teilnahme im letzten Jahr geschworen hatte, 2012 nicht wieder an den Start zu gehen, meldete ich mich am 01.03.2012 zur 27. Horizontale Rund um Jena an. Wieder 100 km wandern und sich dabei immer wieder die Frage stellen „Warum das Ganze?“.

Nun auch endlich die RoteFür die Frage nach dem Warum gibt es sicher mehrere Antworten. Am Ende war es aber auch die rote Nadel, welche man nach drei erfolgreichen Teilnahmen erhält, die mich antrieb. Jetzt hängt sie zusammen mit den anderen beiden im Arbeitszimmer und ich kann mich am Anblick erfreuen und an die drei vergangenen 100 km Wanderungen denken.

Zusammen mit Nagetier (Kersten) aus Mecklenburg Vorpommern fuhr ich am späten Freitagnachmittag zum USV Sportgelände. Wir holten unsere Startunterlagen und beobachteten wie immer die Meute. Pünktlich 18 Uhr machte ich mich alleine auf den Weg, da Kersten den Start so lange wie möglich herauszögerte. Er wollte die Strecke laufend absolvieren und mit der Startverschiebung die Grundlage dafür schaffen, dass er möglichst viele Verpflegungspunkte erst dann erreicht, wenn sie schon geöffnet haben. Schließlich ist die Horizontale eine Wanderung und so sind die Öffnungszeiten der Kontroll- und Verpflegungsstellen auch dementsprechend.

Da ich mich in diesem Jahr neben dem Lauf- und Radtraining nicht speziell auf die 100 km vorbereitet hatte, war mein einziges Ziel anzukommen. Ich setzte mich nicht unter Druck mit irgendwelchen Zeiten. Auch wollte ich mir an den Verpflegungspunkten mehr Ruhe gönnen und genießen. Aber das mit dem Genießen ist dann nach 60 km Wandern auch so eine Sache für sich ;-).

Wer genau hinsieht, kann viele kleine Wanderer erkennen und ich bin auch dabei.

Wer genau hinsieht, kann viele kleine Wanderer erkennen und ich bin auch dabei.

Obwohl ich keine besonderen Ambitionen hatte, startete ich im flotten Wanderschritt Richtung Zöllnitz (KM 22,6), um im dichten Verkehr auf den engen Wanderwegen keine unnötige Zeit zu verlieren. In Zöllnitz angekommen begrüßte mich Juliregen (Anne) und begleitete mich ein Stück auf dem Rad. Kersten sollte in der Zwischenzeit auch schon einige Kilometer hinter sich gebracht haben und nun bald auf mich auflaufen.

Ich kurz hinter Zöllnitz.

Ich kurz hinter Zöllnitz.

So langsam wurde es dunkel und ich schaltete meine Beleuchtung ein. Wie in den beiden Jahren zuvor schmückte ich meinen Rucksack mit einem roten Blicklicht. So war es für Kersten auch leichter mich aus der Ferne zu erkennen. Es vergingen die Kilometer und ich wanderte entlang der A4 Richtung Pösen. Immer wieder wurde ich von später gestarteten Läufern und schnellen Wanderern überholt. Doch Kersten war nicht dabei. „Was war los?“, fragte ich mich. Eigentlich hätte er schon längst bei mir sein müssen. Bei Kilometer 40 dann der Anruf und die schelchte Nachricht: Starke Schmerzen in Fuß und Hüfte machten ein Laufen für ihn unmöglich. Trotzdem war er willig ins Ziel zu kommen. Ab dem zweiten Verpflegungspunkt in Ammerbach (KM 46,2) wanderten wir dann gemeinsam weiter.

Nun folgte das für mich schwerste Stück. Es waren 23,8 km bis zum nächsten Verpflegungspunkt in Kunitz (KM 70). Es war dunkel und ich müde. Die Kilometer wurden immer länger, da an ein flottes Wandertempo nicht mehr zu denken war. Umso schöner war es, dass ich nicht alleine durch die Nacht tigern musste und es gegen vier Uhr dann auch ganz langsam wieder heller wurde.

Trotzdem erreichte meine Stimmung nun ihren Tiefpunkt. Ich war am Ende. Auf dem kurzen Stück durch Zwätzen bis nach Kunitz musste ich immer wieder kurze Pausen machen und mich hinhocken, um meine Beine zu lockern. Keine Ahnung, ob das physisch etwas bringt, aber mental war ich nach den Pausen einfach etwas erholt. Auch Kersten wurde langsamer und ich verlor trotz meiner Pausen nicht den Anschluss. In Kunitz dann endlich die begehrten Waffeln. Ein wirklich leckeres Frühstück wurde uns da geboten. Ich aß die Waffeln, etwas Obst und drei Toast mit reichlich Nussnougatcreme. Es war einfach lecker und eine Wohltat für Körper und Geist.

Frisch gestärkt machten wir uns nach ca. 15 min wieder auf den Weg. Rauf zum Hufeisen, runter nach Wogau, rauf zum Fuchsturm und weiter Richtung Steinkreuz, dem vierten und somit letzten Verpflegungspunkt an der Strecke (KM 84,9). Hört sich nicht viel an. Aber im Endeffekt waren das auch wieder knapp 14,9 km und 03:15 h. Auf dem Stück kamen uns dann auch die Wanderer der 35 km Tour (Start war 07:00 Uhr) entgegen. Sie sprachen uns Mut zu und zeigten teilweise auch etwas Mitleid.

Am Steinkreuz gab es wieder Toast und leckeren Tee. Leider war der Weg zwischen Buffet und der Sitzmöglichkeiten so weit, dass ich mich gegen eine zweite Portion entschied. Gut soweit war es auch nicht. Vielleicht zehn bis 15 Meter. Aber nach 85 km des Wanderns kommt es einem viel länger vor ;-). So pausierten wir relativ kurz und machten uns auf die finalen 14,9 Kilometer bis ins Ziel.

Es waren noch mindestens drei Stunden bis ich mir endlich die Wanderschuhe ausziehen konnte. Das wurde dann aber auch Zeit. Seit ungefähr der Hälfte der Strecke drückte der Schaft am rechten Bein so dermaßen, dass es sich, um es gelinde auszudrücken, unangenehm anfühlte.

Das Ziel in Sichtweite. Trotzdem waren es noch mehr als 10 km.

Das Ziel in Sichtweite. Trotzdem waren es noch mehr als 10 km.

Eine Beschilderung zeigte an, dass es noch acht Kilometer bis zum Fürstenbrunnen und somit zum nächsten Zwischenziel war. Acht Kilometer? Ernsthaft? Also noch fast zwei Stunden? Ich geh am Stock. Echt? Puhhh. Kersten meinte dann aber, dass es keine acht mehr wären und so war der Schock schnell überwunden. Unglücklicherweise waren es dann doch acht ;-). Acht Kilometer die verdammt lang werden sollten. Das Schlimmste an dem Stück zum Fürstenbrunnen ist, dass man das Ziel bereits sehen kann und sich dann wieder davon entfernt. Egal, es half nichts, es musste weiter gehen. Immer wieder legte ich Pausen ein, weil ich Kerstens Wandertempo als nicht angenehm empfand. Zwei Kilometer vor dem Fürstenbrunnen musste dann auch Kersten eine kurze Pause einlegen und ich wanderte erst mal alleine weiter, mit dem Ziel am Fürstenbrunnen auf ihn zu warten.

ENDLICH. Wenige Meter vor dem Ziel.

ENDLICH. Wenige Meter vor dem Ziel.

Die letzten viereinhalb Kilometer absolvierten wir dann aber wieder zusammen. Ich kontaktierte Anne, die ihre Zeit liebevoll opferte, um uns im Zielbereich abzulichten und die Urkunden und die Tassen zu holen. Herzlichsten Dank dafür.

Nach 18:39:12 h hatte die Qual dann ein Ende und ich glücklich im Ziel. Leider muss ich an dieser Stelle auch Kritik üben. Da wandert man 100 km Rund um Jena und der Zielbereich ist als solcher nicht zu erkennen. Mir war auf den ersten Blick nicht klar, wo ich meine Chipkarte abpiepen konnte. Ich denke aber, dass sich das Laufservice-Team, welches an anderen Stellen wirklich wieder einen hervorragenden Job abgeliefert hat, für die nächsten Jahre eine Lösung einfallen lässt.

Zusammenfassend war es wieder eine wirklich gelungene Veranstaltung. Großes Lob an alle Helfer und Organisatoren. Es ist einfach ein Traum wie herzlich man auch zu unmenschlichen Nachtzeiten an den Verpflegungspunkten versorgt wird. Vielen Dank.

Vielen Dank auch an meine Eltern und Corinna. Es hat wirklich für viel Abwechslung gesorgt mit euch zu telefonieren und auch wenn ich immer wieder sagte, dass dies meine letzten 100 km sein würden, schließe ich es nun nicht mehr aus, auch im nächsten Jahr am Start zu stehen. Denn so schlimm wars doch gar nicht ;-).

Wie Kersten das ganze erlebt hat, könnt ihr hier nachlesen.

Zusammenfassung:

Zeit: 18:39:12 min

(Ergebnisse)

Strecke bei GPSis.de

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