Mein kleiner Jahresrückblick 2011

Eigentlich wollte ich es nicht, aber ich denke gerade für die Zukunft ist es nicht schlecht, sich noch einmal Gedanken zum Geschehenden zu machen. Zumal es sich das Jahr 2011 verdient hat, zusammengefasst und niedergeschrieben zu werden ;-) .

Es begann läuferisch recht ruhig. Nachdem ich die letzten drei Jahre immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte und nie so richtig Fuß fassen konnte, fing ich ganz langsam wieder an. Ohne nennenswerte Probleme lief ich auch meinen ersten Wettkampf in Himmelpforten über 5 km in entspannten 24:27 min.

Unter Statistik 2011 kann man sehr schön sehen, dass ich neben den Laufeinheiten sehr viel Zeit auf der Rolle (im Winter) und auf dem Rennrad (im Sommer) verbracht habe. So war ich fit, konnte es bei den Wettkämpfen aber nicht wirklich zeigen. Mein Körper, aber vor allem meine Beine sollten sich langsam an die noch kommenden Geschwindigkeiten gewöhnen. Gerade richtig kam dann der Jenaer Duathlon, bei dem ich zumindest auf dem Rad alles geben konnte.

Im Laufe der Zeit steigerte ich weiter meine Laufumfänge und -geschwindigkeiten. Schlussendlich kam ich immer näher an die Geschwindigkeit von Juliregen heran. Beim OEM in Dresden liefen wir dann (nicht geplant) zum ersten Mal (in 2011) gemeinsam über die Ziellinie. Dann kam das erste Highlight für 2011: Die Horizontale Rund um Jena. Ich nahm sie zum zweiten Mal in Angriff. Anders als im letzten Jahr allerdings nicht im Dreiergespann. So wanderte ich die 100 km zu gefühlten 99 % ganz alleine. Nach 16:43:35 h kam ich sichtlich mitgenommen und den Tränen nahe ins Ziel. Ich war mehr als erledigt und hatte anders als im Jahr davor auch noch nach Tagen starke Schmerzen beim Treppenabsteigen. Im Ziel und auch Wochen später stand eigentlich fest, dass ich mir das nicht ein drittes Mal antue. Aber irgendwann ist die Verlockung der roten Nadel dann doch größer geworden ;-) .

Im Juli stand dann der erste ernste Wettkampf auf dem Programm. Ich lief die zweite Etappe der SaaleHorizontale Staffel. Mit 360 positiven HM war diese anspruchsvoll, aber auch genau das richtige für mich. Mit einer ordentlichen Zeit konnte ich einige Plätze gut machen und unser Team “Frischluftfanatiker” ein kleines Stück nach vorne bringen.

So langsam kam ich auch im Training an meine Grenzen. Soll heißen, dass ich meinem Körper endlich das Tempo zumuten konnte, welches ich auch im Stande war zu laufen. So trainierte ich fleißig weiter. Nebenbei schwamm ich auch einmal die Woche im Becken. Triathlontraining soll ja gut sein. Im August finishte ich dann meinen ersten kleinen Triathlon. Die Schwimmleistung war zwar nicht die Beste, aber dennoch konnte ich auch dort mit dem Erreichten zufrieden sein.

Das Highlight für mich fand dann am 02.09.2011 statt. Beim Sommernachtslauf über 10 km in Jena gab ich alles und war endlich wieder Sub40. Auch hier war ich im Ziel mehr als fertig und dennoch überglücklich. Am gleichen Tag schloss ich eigentlich schon mit der Saison 2011 ab. Ich habe mehr erreicht als in den letzten drei Jahren zusammen. Trotzdem gab es weitere Highlights. Ich unterstützte Juliregen beim Projekt Sub45. So kam es auch, dass wir zusammen in Freiburg bei der Rieselfeldmeile am Start standen, um ihre alte Bestzeit zu pulverisieren.

Der große offizielle Saisonabschluss war dann wieder einmal in Dresden. Hier wollte Juliregen ihr Projekt beenden. Auch hier lief ich im Windschatten, um im Notfall Hilfestellung zu geben. Mit einer offiziellen 44:47 min erreichten wir das Ziel und der Saisonabschluss war geglückt.

Wenige Wochen später meldete sich bei mir die Wade. Schmerzen, die sich nicht richtig definieren ließen, machten sich breit. Diagnose: Überlastung (da machen es sich einige Ärzte aber auch immer leicht). Er verschrieb Ultraschall. Trotzdem es besser wurde, war ich noch nicht beschwerdefrei. Mit sinkenden Laufumfängen, sank auch die Motivation. Ich konnte mich kaum noch überwinden auf die Rolle zu steigen, um wenigstens ein bisschen was zu machen. So kam dann Weihnachten und das Jahr 2011 ist Geschichte.

Zusammenfassend blicke ich auf ein doch erfolgreiches Jahr zurück, in dem ich viel gelernt habe. Deswegen freue ich mich mit neuer Motivation auf die Saison 2012. Ich hoffe, die Wade spielt mit und ich kann endlich neue Bestzeiten aufstellen. In diesem Sinne wünsche ich all meinen Lesern ein frohes und vor allem gesundes Jahr 2012.

15. Jenaer Sommernachtslauf – Sub40!!!

Nachdem ich vor zwei Wochen beim Jenaer Triathlon zeigen konnte, dass sich meine Laufform in der letzten Zeit beachtlich gesteigert hat, wollte ich beim Jenaer Sommernachtslauf über die 10 km die Sub40 versuchen. Vorab aber ein paar Worte zu meiner Trainingsbilanz:

Fast vor genau einem Jahr legte ich mir ein neues Sportgerät zu. Sicherlich war es nicht die günstigste Anschaffung, aber wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, eine der sinnvollsten. Somit war ich in meinem Training flexibler und konnte meine zarten Beine entlasten. Ich steigerte die Laufumfänge und -geschwindigkeiten sehr langsam. Ein Jahr später stehen 3.600 km auf dem Radtacho und ein bisschen was über 700 km im Läufertagebuch. Seit einigen Wochen laufe ich schon wieder bis zu drei Mal die Woche, fahre zwei bis drei Mal Rad und gehe ein bis zwei Mal schwimmen. So komme ich auf sechs Trainingseinheiten und einen Ruhetag.

Beim durchstöbern der Läufe, welche vom Laufservice-Jena mit organisiert werden, stieß ich auf den Sommernachtslauf hier in Jena. Zwei Wochen nach meinem ersten Triathlon. Na, das passt doch, dachte ich und meldete mich schließlich für die 10 km Strecke. Start war am Freitag 18:30 Uhr im Ernst-Abbe-Stadion.

Schaff ich's oder schaff ich's nicht?

Schaff ich's oder schaff ich's nicht?

Da stand ich nun mit 249 weiteren TeilnehmernInnen und wartete auf den Startschuss. Ich versuchte mich zu entspannen und mich nicht selbst unter Druck zu setzen. Je näher der Start rückte, desto mehr zweifelte ich an der erhofften Sub40. War es ein zu hoch gestecktes Ziel und würde ich somit nach ein paar Kilometern einbrechen? Ich wusste es nicht. Dazu kam dann noch, dass die Strecke anscheinend ein bisschen länger sein sollte als 10 km. Wenn ein Rundkurs 2,5 km lang ist, muss dieser exakt viermal absolviert werden. Befindet sich dann aber das Ziel nicht genau auf der Höhe des Startes sondern ca. 250 m dahinter, muss man kein Rechengenie sein, um festzustellen, dass ein Schnitt von 03:59 min/km für mich nicht ausreicht.

Trotzdem ich versuchte ruhig zu bleiben und mich auf mich zu konzentrieren, stieg der Puls auch ohne Belastung auf über 60 %. Ich reihte mich ins äußere Mittelfeld ein. Ich wollte dem anfänglichen Gedränge aus dem Weg gehen und mein Tempo finden. Plötzlich hieß es: “Gleich gehts los.” Wieder stieg der Puls. “Fertig…, los!” Das Läuferfeld setzte sich in Bewegung und drei Sekunden später zündete auch die Startpistole. Immer diese Fehlzündungen :) .

Nach 50 m kontrollierte ich das erste Mal mein Tempo: 03:28 min/km – viel zu schnell. Und so ließ ich mich zurückfallen, um mein Tempo und meinen Rhythmus zu finden. Der erste von zehn Kilometern war nach 03:48 min Geschichte. Ich fühlte mich gut. Aber es waren ja auch erst 10 % der Strecke absolviert. Nun passierte das, was bei Volksläufen häufig vorkommt. Viele drosselten ihr Tempo, weil sie einfach viel zu schnell gestartet sind. Ich fing an zu überholen und versuchte dabei mein Tempo konstant zu halten.

Auf zur 3. Runde

Auf zur 3. Runde

Mit 03:52 min, 03:50 min und 03:52 min gingen die darauf folgenden Kilometer auch in Ordnung. Ab Kilometer fünf, kurz bevor es zum zweiten Mal ins Stadion ging, fing es an schwer zu werden. Nach dem anfänglichen hervorragenden Kilometern kamen jetzt doch einige Zweifel, ob die Sub40 möglich ist. Die Atmung wurde schwerer und die Kilometer wurden immer länger. Trotzdem hielt ich mein Tempo unter vier Minuten pro Kilometer. Nach guten 19:18 min beendete ich die erste Hälfte. So hatte ich bereits ein Puffer von 42 Sekunden. Trotzdem durfte ich nicht langsamer werden, schließlich war die Zielgerade verdammt lang.

Auch in der zweiten Hälfte konnte ich einige Plätze gutmachen. Nach jeder Runde feuerte mich Juliregen mit vollem Einsatz an. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle für die aufbauenden und motivierenden Worte. Mit 03:57 min, 03:54 min und 03:55 min waren Kilometer sechs, sieben und acht zwar langsamer aber noch im grünen Bereich. Ich befand mich auf der letzten Runde, es wurde verdammt schwer und der Puls stieg weiter.

Immer wieder konnte ich andere Läufer nutzen, um mich ran zu saugen, mich kurz zu erholen und schließlich an ihnen vorbei zu laufen. Ich versuchte alles auf den letzten zweieinhalb Kilometern aus mir heraus zu holen und hoffte darauf, dass der Körper willig ist. Der Geist war es. Man sagt zwar, das ein Glaube Berge versetzen lassen kann. Beim Laufen musst du aber trotzdem einen Schritt nach dem anderen machen. Und zwar schnell.

Noch verdammt harte 300 m bis zum Ziel.

Noch verdammt harte 300 m bis zum Ziel.

Die Uhr piept und zeigt eine Zeit von 03:52 min für den neunten Kilometer. So blieben mir 05:04 min für den letzten und die restlichen paar Meter ins Ziel. So genau war mir das während des Laufes natürlich nicht bewusst. Hatte doch gar keine Zeit zum Rechnen ;) .

Dann erfolgte der letzte Einlauf ins Station. Ab hier waren es noch 300 m. Erneut feuerte mich Juliregen lautstark an. Immer wieder kontrollierte ich die Zeit und versuchte abzuschätzen, ob ich es noch schaffe. Ich gab alles. Der Puls erreichte nie dagewesene Werte und ich setzte zum Schlussspurt an. Kurz vor dem Ziel (ca. 50 m) kontrollierte ich ein letztes mal die Zeit. In diesem Moment war es klar: Ich rock das Ding.

Mehr als erledigt nahm ich nach offiziellen 39:51 Uhr meine Finisher-Tasse entgegen und versuchte Luft zu schnappen. Da der Start zwei Minuten früher erfolgte als geplant, verpasste Juliregen den Blick auf die Uhr. Ich war aber noch nicht in der Lage ihr mitzuteilen, dass ich mein Ziel erreicht habe. Meine ersten gequälten Worte nach dem Zieleinlauf waren lediglich: “Gib mir drei Minuten.”

Hier ist es klar: Ich bin wieder U40.

Hier ist es klar: Ich bin wieder U40.

Ich habe es also geschafft. Selbst kann ich es kaum glauben. Nach fast vier Jahren bin ich endlich wieder U40. Ein tolles Gefühl.

Kilometerzeiten (ohne die letzten Meter bis zum Ziel)

Kilometerzeiten (ohne die letzten Meter bis zum Ziel)

Jenaer Triathlon 2011 – Mein erster

In den letzten Wochen trainierte ich, wie bereits erwähnt, um mich einigermaßen kraulend über Wasser zu halten. Ziel war es eine 750 m Strecke in der für mich neuen Schwimmart zu absolvieren, um beim Jenaer Triathlon 2011 teilnehmen zu können. Sicherlich ist es nicht Pflicht die Strecke zu kraulen. Für mich war es aber ein Ziel, dem ich nachgehen konnte.

Am 10.07.2011 startete ich einen ersten ernsthaften Schwimmversuch im Kraulen. Bilanz: 200 m mit anschließender Schnappatmung. Mir blieben also noch fünf Wochen, um an meiner bis dahin desaströsen Schwimmleistung zu arbeiten. Um es kurz zu machen: Ich schaffte es zu kraulen und dabei nicht außer Atem zu kommen. Beim Triathlon in Jena sah es dann aber doch wieder anders aus. Aber der Reihe nach:

Startvorbereitungen

Startvorbereitungen

06:30 Uhr klingelte am 21.08.2011 der Wecker. Punkt 8 Uhr machte ich mich zusammen mit Juliregen auf die Socken. 08:15 Uhr Ankunft am Schleichersee in Jena. 08:30 Startnummernausgabe und Radcheckin. Und nun konnte ich mich noch eineinhalb Stunden aufwärmen, Strecke inspizieren, verrückt machen, auf Sonne hoffe und alles das, was man so macht kurz bevor es losgeht.

Da ich keinen Neo besitze, hoffte ich, dass das Wasser eine angenehme Temperatur haben würde. Dem war auch so. Mit 20°C war es zwar nicht kuschelig warm, aber immerhin ausreichend, damit mir nach dem Schwimmen die Füße nicht abfallen. Fast auf die Sekunde erfolgte 10 Uhr der Startschuss. Und es wurde geschuppst, geschlagen und gedrängelt. Ich versuchte mich aus allem rauszuhalten -was gar nicht so einfach ist- und fing an zu kraulen. Das Wasser war durch die Massen aber so aufgewühlt, dass ich den einen oder anderen Schluck zu mir nahm und zum Brustschwimmen wechseln musste. In der zweiten von zwei Schwimmrunden lief es dann schon etwas besser. Allerdings reichte die Kraft nicht mehr. So war es ein 15 minütiges Gewechsel zwischen Kraulen und Brustschwimmen. Zeitlich bin ich mit 15:02 min für 750 m Geplansche aber doch zufrieden.

Wasserwrestling

Wasserwrestling

Auf dem Rad

Auf dem Rad

Auf dem Rad sollte nun eine 20 km lange Strecke absolviert werden. Dafür wurde die Schnellstraße zur Hälfte gesperrt. Also war der Streckenverlauf fast identisch mit dem vom Duathlon. Damals gelang es mir die Strecke mit einem Schnitt von 36,28 km/h zu fahren. Ziel war es diese Geschwindigkeit zu steigern. Was mir mit 36,66 km/h dann auch gelungen ist. Im Nachhinein hatte ich mir auf dem Rad eine schnellere Zeit erhofft. Trotzdem bin ich mit der Leistung zufrieden. Konnte ich nach dem Schwimmen hier doch einige Plätze gut machen.

Zurück in der Wechselzone tauschte ich Fuß- und Kopfbekleidung und setzte die Aufholjagd laufend fort. Es ist doch sehr beflügelnd, wenn man immer wieder ein paar Mann überholen kann. Nach offiziellen 20:05 min beendete ich die 5 km und war nun ein kleiner, stolzer Triathlet.

Geschafft und überglücklich

Geschafft und überglücklich

Zusammengefasst war es ein toller erster Triathlon. Ich habe einige Erfahrungen sammeln können und bin gespannt, wann es mich das nächste mal reizt an so einem Dreikampf teilzunehmen.

In der nächsten Zukunft werde ich mich weiter aufs Laufen konzentrieren. Schließlich ist ein Schnitt von 04:01 min/km auf 5 km noch ausbaufähig. Eine Gelegenheit dazu bietet sich heute ab 18:30 Uhr beim Sommernachtslauf in Jena. Ich werde mein Glück auf der 10 km Strecke versuchen. Mal sehen vielleicht ist ja ein Schnitt unter 04:00 min/km drin. Drückt mir die Daumen.

Mein erster Triathlon in Zahlen:

Schwimmen: 00:15:02 h für 750 m
erster Wechsel: 00:02:51 h
Rad: 00:30:46 h für 18,8 km
zweiter Wechsel: 00:02:01 h
Laufen: 00:20:05 h für 5 km
offizielle Gesamtzeit: 01:10:45 h
Gesamtplatzierung: 37. von 90
AK-Platz: 5. von 8

Schwimmen, Radfahren, Laufen???

Nachdem ich am letzten Wochenende die zweite Etappe bei der SaaleHorizintale Staffel lief, kann ich auch hier ein Haken für erledigt setzen. Aber was kommt nun? Aufmerksamen Lesern ist es sicher schon aufgefallen, dass ich seit Anfang März meine monatlichen Umfänge unter Statistik 2011 veröffentliche. Und wer ganz aufmerksam war, dem ist sicher aufgefallen, dass ich in diesem Jahr bereits 04:30:00 h geschwommen bin. Laufen, Radfahren und Schwimmen? Da könnte man doch glatt an einen Triathlon denken?!

Wie es der Zufall nun will findet am 21.08.2011 bei uns der Jenaer Triathlon statt und ich bin wirklich am Überlegen, ob ich das nicht einfach mal versuchen sollte. Es ist sicher eine nette Erfahrung. Und außerdem ist das Wettkampfangebot in den nächsten Wochen eher gering. Zumindest lokal gesehen.

Ich habe in der letzten Trainingswoche auch gemerkt, dass mir Training ohne ein bestimmtes Ziel nicht wirklich Spaß macht. In der nächsten Woche werde ich dann mal gucken wie weit ich schwimmen kraulen kann und entscheiden, ob eine Teilnahme am 21.08.2011 realistisch ist.

2. SaaleHorizontale Staffel 2011

Neben den fünf bereits absolvierten Wettkämpfen in diesem Jahr, sollte die SaaleHorizontale Staffel für mich ein besonders Highlight werden. Nachdem ich die letzten Monate und Wochen verletzungfrei über die Laufstrecke gebracht habe, hatte ich mir in den Kopf gesetzt bei meiner Etappe zu testen wie fit ich bin. Soll heißen, dass ich die 11,2 km (+360 / -345 HM) am Anschlag laufen wollte. Es ist schon verdammt lange her, dass ich einen Wettkampf am Anschlag gelaufen bin und am nächsten Tag nicht zum Arzt musste.

Nachdem wir Nagetier beim Start noch viel Erfolg wünschten, machten wir uns auf zu meinem Startpunkt. Hier stieg dann langsam meine Anspannung. Da der Start des Staffellaufs um 10 Uhr erfolge, und Nagetier schätzte, dass er für die 14,9 km samt einigen nicht zu verachtenden Höhenunterscheiden 01:15:00 h braucht, begann ich 10:45 Uhr mit meiner Erwärmung. Diese war auch bitter nötig. Das Thermometer zeigte lediglich Werte zwischen 12 und 14°C an. Also eigentlich ideale Laufbedingungen, doch ist es schwieriger sich dabei warm zu halten.

Nagetier und ich beim 1. Wechsel.

Nagetier und ich beim 1. Wechsel.

Nur drei Minuten später als geplant wurde ich dann vom Warten erlöst. Das erste Stück ging über eine Wiese stetig bergab, so dass ich gleich am Anfang richtig in Fahrt kam. Kurz vor dem ersten nennenswerten Anstieg konnte ich bereits zwei Teilnehmer einsammeln. Dann wurde das Tempo langsamer und der Puls kletterte erstmals über die 90 % Marke, wo er im Durchschnitt gesehen auch blieb. Oben angekommen ließ ich wieder 2 hinter mir. Danach ging es im zügigen Tempo vorbei am Fuchsturm, größtenteils bergab in Richtung Wogau. Hier wartete dann der große Anstieg auf mich. Von 218 HM sollte es auf 384 HM gehen. Wieder sank das Tempo und wieder stieg der Puls. In der Ferne konnte ich zwei weitere Läufer ausmachen. Kurz vorm Ende des Anstiegs erreichte ich ihre Hacken. Nachdem wir oben auf dem Hufeisen angekommen waren, reichte meine Kraft aber erst einmal nicht aus, um an ihnen vorbei zu gehen. Zu schwer waren meine Beine. Nach ungefähr 200 Metern schöpfte ich neue Kraft und konnte an den beiden schließlich doch noch vorbei laufen.

Strecke der 2. Etappe SHS 2011

Strecke der 2. Etappe SHS 2011

Auf dem Hufeisen ging es relativ eben zum Jenzig, wo sich der zweite Wechselpunkt befand. Noch 2,8 km auf denen ich versuchte alles zu geben. Auf den letzten zwei Kilometern fing ich an grob zu überschlagen welche Zeit noch möglich ist. Mein Minimalziel, die 11,2 km unter einer Stunde zu laufen, war mehr als erfüllt. Für die 55 min könnte es noch reichen. Und so gab ich weiter Gas. Kurz vor dem Wechsel stieg die Anzahl der von mir überholten Läufer auf 20. Dann erblickte ich Juliregen, welche ganz aufgeregt Johanna Bescheid gab, dass ich schon komme. Nach offiziellen 54:00 min konnte ich sie auf die Strecke schicken. Ich war mehr als erledigt und überglücklich, dass Ziel erreicht zu haben. Und als kleine Kirsche auf dem Sahnehäubchen erlebte ich ein kleines aber intensives Runnershigh :) .

Schlussspurt auf den letzten Metern meiner Etappe.

Schlussspurt auf den letzten Metern meiner Etappe.

Da es nicht möglich ist, mit dem Auto zum Jenzig hinauf zu fahren, war ich doch sehr froh darüber, dass Juliregen und Nagetier es rechtzeitig geschafft haben mich in Empfang zu nehmen.

Insgesamt erreichten wir den 10. Platz unter den mixed Staffel. Ich denke, das ist ein Ergebnis mit dem wir durchaus zufrieden sein können. Auf meiner Etappe konnte ich den 7. Gesamtplatz belegen.

Wer vom Lesen noch nicht genug hat, kann hier gucken wie Nagetier seinen Lauf beschreibt.

Sehr zu empfehlen ist aber auch der Bericht von Juliregen.

Rettung in letzter Sekunde

Am morgigen Samstag findet hier in Jena die 2. SaaleHorizonale-Staffel statt. Nachdem im letzten Jahr eine Teilnahme auf Grund von Verletzungen (Ich) und anderen Terminen (Juliregen: Wettkampf) nicht möglich war, stellten wir in diesem Jahr eine Staffel bestehend aus sieben TeilnehmerInnen zusammen. Wir planten alles im Vorfeld ganz genau und alles schien in Papier und Tüten, bis wir gestern erfuhren, dass sich unsere Schlussläuferin einen Haarriss im Fuß zugezogen hat (gute Besserung auf diesem Wege).

Nun hieß es alle Hebel in Bewegung zu setzen, um einen Ersatz zu finden. Wir twitterten, telefonierten und schrieben unzählige Emails. Aber es half nichts. Auch am späten Abend hatten wir noch keinen gefunden. Doch wir gaben nicht auf und so konnte ich heute morgen die freudige Nachricht verkünden, dass der Retter der Not gefunden war. Nach einigen überzeugenden und mitleiderregenden Worten entschloss sich Erik dazu als Schlussläufer ins Rennen zu gehen. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle. Er hat zwar schon ein bisschen Respekt vor der Strecke (insbesondere vor den Höhenmetern), aber er “opfert” sich für die Mannschaft. Das nenne ich Teamgeist.

Am Abend erwarten wir noch Nagetier, welcher dann morgen als Startläufer um 10 Uhr unsere Staffel eröffnet. Als zweites werde ich in der Nähe des Steinkreuzes auf ihn warten, um den imaginären Staffelstab in Empfang zu nehmen. Auf Juliregen wartet ein wenig später die fünfte Etappe.

Ich bin mal gespannt was unser Team (Frischluftfanatiker) reißen kann. Ich erwarte nicht all zu viel, schließlich können wir von Glück reden, überhaupt starten zu können.

Jena Horizontale 2011 – Eine einzige Qual

Bärti war auch wieder mit dabei.

Bärti war auch wieder mit dabei.

Trotz dem ich mir im letzten Jahr bei der Jubiläumshorizontale mehr oder weniger starke Blessuren zuzog und während der Wanderung eigentlich auch feststand, dass ich mir diese Strapazen nicht ein zweites Mal antun werden, entschied ich mich zusammen mit Anne und Kersten auch in diesem Jahr für die Horizontale. Pünktlich am 01.03.2011 meldete ich mich für den totalen Wahnsinn Teil 2 an ;) . Es dauerte nur wenige Tage bis alle 850 Startplätze vergeben waren. Da ist es doch sinnvoll, sich im Vorfeld Gedanken über die Teilnahme zu machen.

Der Vorteil bei der zweiten Teilnahme ist, dass man zumindest weiß worauf man sich einlässt.  So wusste ich, dass es für mich nicht alleine ums ankommen geht. Diese Aufgabe habe ich ja bereits im letzten Jahr erfolgreich gemeistert. Da ich 2009 und 2010 immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte, wanderte ich die letzten 100 km ohne groß trainiert zu haben. Ab Oktober 2010 trainiere ich nun wieder regelmäßig und so stand in diesem Jahr die Frage, welches Ziel verfolge ich mit meiner diesjährigen Teilnahme?

Kurz vorm Start.

Kurz vorm Start.

Absolvierten wir die 100 km im letzten Jahr noch zu dritt, entschieden wir uns dieses Mal dafür, dass jeder für sich wandert und wir dann sehen was passiert. Mein Ziel war nicht sehr groß gesteckt. Ich machte mir lediglich Gedanken darüber, wie schnell ich wohl wandern kann. Eine Zeit unter der vom letzten Jahr wäre wohl das Mindeste. Also Zeit unter 19:55:05 h und dann gucken was geht und ob überhaupt noch was geht ;) . Klar war nur: Je schneller ich gehe, desto schneller ist die Quälerei vorbei ;) .

Da ich mir für den Freitag frei nahm, blieb genügend Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, was ich auf der Strecke benötigen könnte und was ich davon auch wirklich mitnehmen will. Schließlich müssen diese Sachen die ganze Zeit transportiert werden. Trotz dem der Wetterbericht schon seit Tagen von leichten Regenschauern sprach, entschied ich mich gegen die schwere Regenjacke und nahm dafür lieber ein trockenes Ersatzshirt mit. Ansonsten war mein Rucksack mit fast den gleichen Sachen gefüllt wie im letzten Jahr: Langarmshirt, Fleecejacke und Stirnlampe für die Nacht; GPS-Gerät damit ich nicht vom rechten Weg abkomme; Energieriegel, Fruchtschnitten und drei Liter Trinkblase gefüllt mit Wasser für den kleinen Hunger zwischendurch; MP3-Player und Kopfhörer für ein eventuelles Stimmungstief; KK-Karte, EC-Karte und Bargeld für den Notfall. Zur Belustigung anderer Wanderer nahm ich wieder mein rotes Blinklicht und zusätzlich ein paar Knicklichter, welche ich mir in die Netztasche an der rechten Seite meines Rucksacks steckte, mit. Ansonsten machte ich mir keine großen Gedanken darüber, was ich wohl anziehe. Mein Wanderkleiderschrank bietet noch nicht so viel Auswahl. So ging ich unverändert zum letzten Jahr mit einer langen Wanderhose, Funktionsshirt, Wandersocken und hohen festen Wanderschuhen an den Start.

Der Rucksack war gepackt und alle weiteren Vorbereitungen abgeschlossen. Nun erfolgte der obligatorische Versuch ein Schläfchen zu machen. Zwei Stunden plante ich dafür ein. Nach einer Stunde brach ich diesen Versuch aber ab. Ich war mehr als ausgeruht und wollte einfach nur noch auf die Strecke. Völlig unerwartet traf dann auch noch die kleine Bodencrew (bestehend aus einer Person) bei uns ein. Vielen Dank an dieser Stelle für die Fotos J.

Pünktlich 17 Uhr fuhren wir zum USV-Sportgelände, um unsere pCards registrieren zu lassen. Wie gesagt, versprach der Wetterbericht  nichts Gutes, aber es sollte dann doch anders kommen. Bei  zwar bewölktem, aber dennoch trockenem Himmel ließen wir uns auf dem Rasen nieder und beobachteten andere Teilnehmer und dessen Ausrüstungen. Wieder wurden Spekulationen darüber geäußert, wer es wohl schafft und wer nicht. Irgendwie muss man sich die Zeit bis zum Start ja vertreiben ;) .

Gleich werden die Massen auf die Strecke gelassen.

Gleich werden die Massen auf die Strecke gelassen.

Die Zeit verging wie im Flug und ich wurde -warum auch immer- sichtlich nervös. Ich weiß nicht recht warum, aber wahrscheinlich lag es daran, dass die 100 km trotz aller Vorbereitung erst einmal gewandert werden müssen und auf der Strecke auch unvorhergesehene Dinge passieren können. Kurz vor 18:00 Uhr sprach der Oberbürgermeister noch die üblichen Worte und gab den Start schließlich frei. Spätestens ab diesem Moment waren alle noch so kleinen Ängste des Scheiterns verdrängt und ich freute mich auf die Wanderung. Ein letztes „Viel Erfolg“ an Anne und Kersten und ab ging die Post.

Wie wir es geplant hatten war Kersten nach einigen 100 Metern nicht mehr gesehen. Sein Ziel war eine Zeit zwischen 13 und 15 Stunden und somit viel zu schnell für Anne und mich. Ob er dieses Vorhaben in die Tat umsetzen konnte, könnt ihr hier im Detail nachlesen. Da ich ebenfalls von Anfang an ein recht ordentliches Wandertempo vorlag, welches Anne nicht gehen konnte, waren wir also von Beginn an auf uns alleine gestellt. Nach ca. zwei Kilometern fragte mich ein Weggefährte, ob es sich bei der von ihm gezeigten Markierung um die richtige handelt? Ich konnte bejahen und so kamen wir ins Gespräch. Ich erfuhr, dass es sich um den Ultra-Läufer Jörg Koenig handelt, welcher unter anderem mehr als 340 Marathons finishte, zweimal erfolgreich beim Deutschlandlauf teilnahm und beim 6-Tage-Lauf in Erkrath 2007 mit 676,590 km einen neuen deutschen Rekord in der M55 aufstellte. Kurze Zeit später musste ich ihn ziehen lassen. Es sollte aber nicht unser letztes Aufeinandertreffen gewesen sein.

Weiter ging es im zügigen Schritt bis zur ersten Verpflegungsstelle in Wogau. Hier versuchte ich dann auch das erste Mal telefonisch mit Anne in Kontakt zu treten, was mir allerdings nicht gelang, da, wie sich später herausstellte, ihr Mobilfunkgerät zu Hause warm und trocken auf dem Wohnzimmertisch verweilte –shit happens. So konnte ich nur hoffen, dass es ihr gut geht.

Insgesamt hielt ich mich in Wogau nicht allzu lange auf. Ich trank ein wenig Cola und Wasser und verschwand nach kurzer Zeit mit meinem Verpflegungsbeutel in Richtung Kunitzburg. Im letzten Jahr verpasste ich es im Vorfeld noch eine Kleinigkeit zu essen und bekam demzufolge schon früh Hunger. Aus diesem Fehler hatte ich gelernt, und so konnte ich Apfel, Wurst, Brötchen, Riegel und Schokolade erst einmal im Rucksack verstauen. Die Bretzel aß ich noch vor dem Anstieg zum Hufeisen. Oben angekommen verspürte ich dann doch den Drang nach  etwas Essbarem und so kramte ich die verstauten Lebensmittel wieder hervor. Noch bevor es hinunter nach Kunitz ging, musste ich meine Nachtausrüstung (Stirnlampe, Fleecejacke und Blinklicht) anlegen. Beim Abstieg lief ich auf zwei Männer auf, bei denen einer der beschriebene Ultraläufer vom Anfang war. In Kunitz angekommen führten wir unser Gespräch vom Anfang fort. Nach Zwätzen überkam mich ein wenig die Müdigkeit, aber Jörg konnte mich mit seinen interessanten Geschichten bei Laune halten. Und so kam es, dass wir bis zum zweiten Verpflegungspunkt an der Papiermühle zusammen blieben.

Zu meiner Überraschung gab es schon hier Kaffee, welchen ich dankend annahm. Anschließend trank ich noch eins, zwei Becher Cola und Wasser und dann zog ich auch schon weiter. Da es meinen Beinen noch ganz gut ging, wollte ich nicht so viel Zeit verlieren. Ich wusste, dass die Strecke in den nächsten Kilometern bergauf führt, deshalb verstaute ich meinen Verpflegungsbeutel wieder im Rucksack. Nach der Papiermühle war ich die meiste Zeit auf mich alleine gestellt. Ab und zu traf ich auf andere Teilnehmer, welche aber entweder zu schnell oder zu langsam waren. So wanderte ich vor mich hin und ich fing das erst Mal an zu rechnen. Nach kurzem hin und her würde ich wohl bei ca. 15 Stunden landen, wenn ich so weiter laufe. Diese Nachricht baute mich auf und so konnte ich mich trotz Einsamkeit und Dunkelheit einigermaßen motivieren.

Diese Euphorie war aber leider nicht von Dauer. Plötzlich befand ich mich abseits des Weges. Zumindest war mein GPS-Gerät (Garmin) der Meinung. Hm… also suchte ich nach Markierungen und fand diese auch. Also doch auf dem richtigen Weg? Ich fing an zu zweifeln. Ich erblickte immer mehr Weiß-Rot-Weiß-Markierungen, welche dafür sprachen, dass ich mich eindeutig auf dem richtigen Weg befinden muss. Also ging ich weiter. Schlecht an der ganzen Sache war nur, dass der von mir eingeschlagene Weg deutlich länger war als der, der auf meinem Garmin angezeigt wurde. Es vergingen gefühlte zwei Stunden bis ich mich wieder „auf Kurs“ befand. Erneut fing ich an zu rechnen und stellte fest, dass ich mich nun erheblich von der 15 Stunden Marke entfernt habe. Nun musste schnell neue Motivation her. Mir fiel nichts ein und so versuchte ich mich mit dem Verspeisen des Verpflegungsbeutels von der Papiermühle abzulenken und daraus Kraft zu schöpfen.

Das Stück nach Pösen war sehr eintönig. Ich befand mich in einem kleinen nächtlichen Tief. Mein nächstes Ziel war der Verpflegungspunkt kurz nach Pösen. Hier wollte ich wieder Kraft tanken und frisch gestärkt weiter wandern. Immer wieder schaute ich auf mein Garmin wie weit es denn noch ist. Die Kilometer kamen mir endlos vor. Umso mehr freute ich mich als ich die Landstraße nach Pösen erreichte und ich die Asphaltstraße im leichten Laufschritt hinunter socken konnte. Jetzt nur noch eineinhalb Kilometer. Da es stetig bergab ging, joggte ich immer wieder ein kleines Stückchen, sodass die Zeit etwas schneller vorüber ging.

Endlich sah ich die Unterführung der Autobahn, wo sich der dritte von vier Verpflegungsstellen befand. Es war dunkel und die Helferinnen und Helfer bereiteten sich noch auf den ganz großen Ansturm vor. Ich nahm wieder genügend Flüssigkeit zu mir und setzte mich das erste Mal auf eine Bank. Leider waren die Marmeladen- und Nutellatoaste noch nicht fertig geschmiert und so musste ich eine Scheibe Brot mit Wurst essen. Ich war einfach zu schnell. Wie sich später herausstellte, war ich nicht nur für die Marmeladen- und Nutellatoaste zu schnell sondern auch für die leckeren Waffeln, welche vom Facharztzentrum spendiert wurden. Ich nahm mir noch ein Getränk für den Weg mit und verabschiedete mich von den kurz nach mir eingetroffenen Gleichgesinnten mit einem freundlichen „bis später“.

War es in Pösen und Leutra an der Verpflegungsstelle noch Rabennacht, ging nun so langsam die Sonne auf. Endlich war die Nacht überstanden. Bis nach Maua war ich zwar immer noch alleine unterwegs, trotzdem verging die Zeit wie im Flug, da ich, wie im letzten Jahr, ein wenig mit meiner Mutter telefonieren konnte. Sie hatte erneut Frühschicht und so verabredeten wir uns schon im Vorfeld der Horizontale zu einen gemeinsamen Frühstück. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle.

In Maua angekommen war es bereits taghell und so hatte ich kein Problem beim Finden des Einstiegs zur Rabenschüssel. Kersten erging es da schon mehr anders, wie er uns später berichtete.

Das Teilstück zwischen Maua und der Lobdeburg bauten wir nicht in unsere Testwanderungen mit ein und so hatte ich nur schwache Erinnerungen darüber, wie der kommende Streckenverlauf war. Und er war nicht leicht. Die Rabenschüssel zog sich ordentlich in die Länge und auch das lange Stück bis zum letzten Verpflegungsstand in Sommerlinde war mehr eine riesen Qual als eine fröhliche Wanderung. Bergab versuchte ich immer wieder ein wenig zu joggen, um meine Kilometerzeiten wenigstens ein wenig im grünen Bereich zu behalten. Trotzdem schien es nur wenig zu helfen. Ich war am Ende und hatte einfach keine Lust mehr. Immer wieder wurde ich von schnelleren Wanderern überholt. Ich versuchte ihr Tempo mitzugehen. Doch es half alles nichts. Ich wurde sichtlich langsamer. Wieder fing ich an zu rechnen und mir wurde klar, dass auch eine Zeit unter 16 Stunden nicht mehr machbar war. Also musste ein neues Ziel her. Ein Ziel an dem ich mich festklammern und Kraft schöpfen konnte. Schnell dachte ich an 16:30 Stunden. Nach kurzer Überlegung hielt ich es aber für zu anstrengend. Mein neues Ziel war eine Zeit unter 17 Stunden.

Durch diese Rechnerei verging die Zeit etwas schneller. Trotzdem sehnte ich mich nach dem letzten Verpflegungspunkt. Ich hoffte auf leckeren Toast mit Marmelade und Nutella. Und den gab es dann auch. Nach dem ich meine pCard auf den Zauberkasten hielt, war ich dann aber doch zu schwach, um mir ordentlich den Bauch vollzuschlagen. Ich aß nur zwei Scheiben Toast und ruhte mich stattdessen ein wenig auf der Bank aus. Ich war einfach zu schwach, für den Weg zwischen Bank und Buffet. Nach etwa zehn Minuten der Ruhe stiefelte ich wieder los. Jetzt waren es nur noch 13 km bis ins Ziel. Endlich dachte ich und so versuchte ich aus jedem weiteren Schritt Kraft zu schöpfen. Nach dem letzten knackigen Anstieg kurz hinter der Lobdeburg ging es zum Glück mehr bergab und ich konnte wieder ein wenig joggen. Obwohl ich nicht weiß, ob eine Geschwindigkeit von neun Minuten pro Kilometer schon als joggen bezeichnet werden kann. Ich versuchte alle Schmerzen, die ich hatte auszublenden und die letzten Kilometer so schnell wie nur möglich zu absolvieren, um der Qual ein Ende zu setzen. Einen Kilometer vorm Ziel informierte ich Kersten und die kleine Bodencrew. Ich war mehr als erledigt und den Tränen nahe, als ich die letzten Meter absolvierte.

Nur noch ein kleines Stück bis zum Ziel.

Nur noch ein kleines Stück bis zum Ziel.

Trotzdem ich die meiste Zeit der Strecke auf mich alleine gestellt war, habe ich es wieder geschafft, diese 100 Kilometer zu meistern. Die Freude im Ziel war zwar groß, doch konnte ich sie so kurz nach der Ankunft nicht zeigen. Ich war einfach zu geschafft. Mit einer Zeit von 16:43:35 h blieb deutlich unter den 17 Stunden und war mehr als glücklich.

Nach einer kleinen Stärkung und frischer Dusche ging es zumindest meiner Psyche wieder den Umständen entsprechend gut. Die Physis brauchte hingegen mehrere Tage, um sich von dieser Belastung zu erholen. Am Morgen danach konnte ich mich kaum bewegen, aber im Endeffekt war es das doch wert ;) .

Kurze Zeit später begrüßten wir auch Anne im Ziel. Ihren ausführlichen Bericht könnt ihr hier nachlesen.

Nun bleibt natürlich noch die Frage: Nächstes Jahr aufs Neue? Lange war ich mir unschlüssig, ob ich meinen Körper wieder so eine Belastung aussetze, doch im Endeffekt sind alle guten Dinge drei.